Papendorf benötigte für die genannte Jahresproduktion etwa 75 Arbeiter. Diese waren etwa zur Hälfte ständige, zur anderen Hälfte Saisonarbeiter.

Die ständig Beschäftigten wohnten in den zur gleichen Zeit gebauten Wohnhäusern auf dem Fabrikgelände, soweit sie nicht ihr eigenes Haus auf der Sturmburg oder auf dem Kreuzkamp in Papendorf hatten. Heinrich Höppner verlangte für Wohnung und Stallungen keine Miete. Auch der Strom wurde während der Saison, d.h. von März bis Dezember von der eigenen Dampfmaschine erzeugt und kostenlos geliefert. Kostenlos waren auch die Unterbringung der Saisonarbeiter in der so genannten „Kaserne“, je zwei in einer Stube, und das warme Essen, das mittags an die Saisonarbeiter in der Kantine, dem großen Saal in der Kaserne, ausgegeben wurde. Bei Betrachtung des sozialen Umfeldes muss erwähnt werden, dass im Kesselhaus Duschanlagen eingebaut waren, die jeder nach Feierabend benutzen konnte. Das war 1904 auf dem platten Lande in Mecklenburg eine revolutionäre Neuerung. Mit diesen Bedingungen sicherte sich Höppner qualifizierte Mitarbeiter bei den ständigen wie bei den Saisonarbeitern. Das war wichtig, denn die geforderte Arbeit war lang, hart, ineinander verzahnt und tempomäßig durch die automatischen Pressen vorgeben. Der Arbeitstag dauerte von morgens sechs bis abends sechs bei insgesamt zwei Ruhestunden, also zehn Stunden täglich oder 60 Stunden wöchentlich. Eine Saison dauerte variabel wegen der unterschiedlichen Länge des Winters von Ende März bis Mitte Dezember.

Der Erwerb von Bauland in der Größenordnung von Bauernhöfen und die industrielle und nicht mehr handwerkliche Bebauung ganzer Straßenzügen war finanziell nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Banken möglich. Deren Vertrauen besaß Heinrich Höppner. Für alle Verbindlichkeiten haftete er persönlich. Ein Konkurs bedeutete seinerzeit das geschäftliche und gesellschaftliche Aus. Die eingeräumten Kreditlinien beachtete er ebenso sorgfältig wie seine Liquidität. Diese war notwendig, um die fertig gestellten Häuser nach Marktlage und nicht unter dem Druck der Banken veräußern zu müssen. Nahm der Markt die von Höppner fertig gestellten Häuser nicht zu dem von ihm kalkulierten Preis auf, so behielt er sie - auf bessere Zeiten hoffend - bis auf weiteres im eigenen Bestand.

Der Aufstieg Heinrich Höppners vom Sohn eines Rostocker Ackerbürgers, vom Volksschüler, zu einem der erfolgreichsten Unternehmer und reichsten Bürger der Stadt, kann nur aus seiner klugen Weitsicht, seinem Fleiß, seinem Durchsetzungsvermögen und seinem glücklichen, humorvollen Naturell erklärt werden. Er hatte ein Gespür für künftige Entwicklungen. Er war in Rostock als gebürtiger Rostocker gut vernetzt und er blieb immer der umgängliche, humorvolle, plattdeutsch sprechende Mitbürger. „Heinrich der Städtebauer“ nannten seine Freunde ihn in Anspielung auf den berühmten Sachsenkaiser. Sein dynamisches Leben und die dynamische Entwicklung jener Jahrzehnte fanden ein abruptes Ende, als im August 1914 der erste Weltkrieg ausbrach. Viele Arbeiter wurden eingezogen und die Ziegelei in Papendorf musste die Produktion einstellen. Auch die im Bau befindlichen Häuser - allein in der Körner Straße waren es neun - blieben unfertig liegen. Darüber hinaus verlor Höppner innerhalb weniger Wochen 96 Mieter, da die Frauen der eingezogenen Soldaten zu ihren Eltern zogen, um die Mieten zu sparen. Heinrich Höppner war bei Kriegsausbruch 54 Jahre alt. Er stand im Zenit seines Schaffens und musste sich die ihm verbleibenden 12 Jahre bemühen, das Erreichte halbwegs zu bewahren. An eine Weiterentwicklung war nicht zu denken. Die Dynamik, die sein Unternehmen bis zum 14. August vorangetrieben hatte, kehrte nie zurück.